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17.5.2012 : 13:09 : +0200

Epigenetik

 

Die Molekularbiologie der letzten 10 Jahre deutet immer mehr darauf hin, dass das sog. "Ein-Gen-Ein-Protein-Paradigma" nicht mehr aufrecht erhalten werden kann. Das bedeutet, dass das Genom weit komplexer aufgebaut ist und flexibler reagiert als lange Zeit gedacht: entscheidend dafür sind die so genannten epigenetischen Faktoren. Sie lagern dem Genom sozusagen auf und regeln ähnlich wie Schalter, welche Proteine wann zur Ausprägung kommen. Die Regelung der Merkmalausprägung ist also sehr kompliziert. Infolge dessen führt ein gentechnischer Eingriff in das Genom als komplexes System häufig zu einer weitreichenderen Veränderung desselben und der von ihm kodierten Merkmale als gewünscht. Dies kann z. B. die Zusammensetzung von Inhaltsstoffen oder die Ausprägung äußerer Merkmale betreffen. Umgekehrt kann man formulieren, dass es eher unwahrscheinlich ist, mit einem gezielten Eingriff in das Genom auch wirklich nur den angestrebten Effekt zu erzielen.

 

Diesen Schluss legt auch eine Studie mit dem Titel "Epigenetische Effekte bei transgenen Pflanzen: Auswirkungen auf die Risikobewertung"  nahe, die vom Öko-Institut Freiburg im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz angefertigt wurde.

 

Auch die Forschungen um Ruth Richter und Johannes Wirz am Goetheanum in der Schweiz, die in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Professor Michael Haring in Amsterdam durch geführt wurden, deuten in diese Richtung. Die Veränderung eines oder weniger Gene führte zu morphologischen Unterschieden der gentechnisch veränderten verglichen mit den unveränderten Pflanzen.

 

Darüber hinaus bemängelt die Studie des Öko-Instituts unter anderem, dass die Empfehlung der EU aus dem Jahr 2004 ("Guidance-Dokument" des Gentechnik-Ausschusses der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit) zur Risikobewertung transgener Pflanzen bisher keine Mindestanforderungen vorschreibt, welche Methoden bei Untersuchungen an transgenen Pflanzen angewendet werden müssen. Auch eine Standardisierung der Methoden selbst steht aus und macht Ergebnisse nur schwer vergleichbar.

 

Noch weiter geht ein zusammenfassender Artikel mit dem Titel "Epigenetik: der Übercode", der kürzlich in der Zeitschrift "Geo" veröffentlicht wurde : hier wird kurz beschrieben, wie Verhaltensmuster (als Beispiele werden Ernährung und Mutterliebe genannt) die epigenetischen Funktionen beeinflussen kann. Dieser Einfluss der Lebensweise auf die Epigenetik sei sogar über mehrere Generationen vererblich.

 

Was bedeutet dies für die biologisch dynamische Landwirtschaft? Falsche oder schlechte Ernährung kann sich in der epigenetischen Struktur nieder schlagen. Diese kann noch über Generationen weiter vererbt werden. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit einer gesunden Ernährung und einer Erforschung dessen, was Lebensmittelqualität wirklich ausmacht, bekommt damit einen über die Gesundheit des einzelnen Individuums hinaus gehenden Stellenwert.