Laufzeit: 01.Juli 2024 - 30.Juni 2027
Hintergrund
Die Tierhaltung, insbesondere die Haltung von Wiederkäuern wird in der Öffentlichkeit heute vielfach als besonders klimaschädliches Element der Landwirtschaft wahrgenommen. Gründe hierfür liegen zum einen in der industriellen Landwirtschaft, aber auch im Ökolandbau besteht noch großer Handlungsbedarf. Doch wie kann Tierhaltung grundsätzlich auch ein sinnvolles Element landwirtschaftlicher Produktionssysteme sein und deren Nachhaltigkeit -auch mit Blick auf den Klimaschutz, sogar steigern? Dieser Frage gehen wir im Verbundprojekt nach.
Gegenstand und Ablauf
Im Projekt KlimaTier wollen wir besonders klimafreundliche und zugleich produktive landwirtschaftliche Systeme identifizieren sowie ökonomische und soziale Erfolgsfaktoren und Hemmnisse für deren erfolgreiche Umsetzung herausarbeiten.
Unser Untersuchungsschwerpunkt liegt auf ökologisch wirtschaftenden Gemischtbetrieben mit Milchvieh, da diese zu den wichtigsten Produktsystemen des ökologischen Landbaus gehören. Die Produktion männlicher Kälber (Kombination Milch-Fleisch) berücksichtigen wir dabei auch.
Gemeinsam mit 30 Betrieben aus insgesamt drei Regionen in Deutschland (zwei in Bayern, eine in Hessen) wollen wir Strategien für eine Tierhaltung mit Mehrwert für den Klimaschutz entwickeln. Die Ergebnisse werden für die Betriebsentwicklung, Beratung und Politik sowie für die Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
Das Verbundprojekt besteht aus fünf Projektpartnern, die Projektkoordination liegt dabei beim Forschungsring. Bioland, Naturland und Demeter bzw. Forschungsring bauen regionale Praxisforschungsnetzwerke auf und betreuen sie. Neben der partizipativen Arbeit mit den Betrieben macht die TU München Betriebsanalysen und Klimabilanzierungen. Zusätzliche sozio-ökonomischen Analysen werden durch die JLU Gießen durchgeführt.
Aktuelle Ergebnisse
Im ersten Halbjahr nach Projektstart haben wir in Hessen ein Praxisforschungsnetzwerk aus neun Bio-Milchviehbetrieben aufgebaut, die mit großem Interesse am Projekt teilnehmen. In Bayern konnte an ein bestehendes Netzwerk von Betrieben angeknüpft werden.
Im Jahr 2025 erfolgte die Datenerhebung für die Klimabilanzen und die sozioökonomische Bewertung auf den Betrieben. Aktuell werden die Daten von den wissenschaftlichen Partnern ausgewertet. Mit ersten Zwischenergebnissen ist im Herbst 2026 zu rechnen.
Parallel dazu konnten wir mit den Betrieben die ersten sogenannten „Innovationslabore“ durchführen. Diese Gruppentreffen finden reihum auf den Betrieben der jeweiligen Regionalcluster statt und basieren auf dem Prinzip der kollegialen Gruppenberatung. Der gastgebende Betrieb hat im Vorfeld der Veranstaltung eine Schlüsselfrage entwickelt, die für seinen Betrieb eine hohe Relevanz sowie einen Bezug zum Klimaschutz hat. Nach einer gemeinsamen Betriebsbesichtigung und einem Feedback dazu, widmet sich die Gruppe anschließend kollektiv der Beantwortung der Schlüsselfrage in einem systematischen und moderierten Prozess.
Die Veranstaltungen bieten nicht nur den Landwirt*innen die Möglichkeit, vom Fachwissen und von den Erfahrungen ihrer Kolleg*innen zu profitieren, sie liefern auch wichtige Einblicke in fördernde Faktoren und Hemmnisse bei der Adaption klimawirksamer Maßnahmen.
Im Juni2025 präsentierte sich das Projekt auf den ÖkoFeldtagen mit einer Podiumsdiskussion. Hierdurch konnte das Thema „Klimaschutz in der Tierhaltung“ einmal mehr in den Dialog mit Praxis, Beratung und Öffentlichkeit gebracht werden.
Im Frühjahr 2025 hatte Christopher Brock zudem die Möglichkeit das Projekt im Radio einem breiteren Publikum vorzustellen.
Im März 2026 werden wir als Projektteam einen Workshop auf der Wissenschaftstagung mit dem Titel: „Klimaschutz durch Milchviehhaltung – Aber wie?“ anbieten und freuen uns über interessierte Teilnehmer*innen.
Weitere Informationen und Aktuelles findet sich außerdem auf der Website des Projektes:
www.klima-tier.de